Ernst Leitz
Leicavit
"SYOOM"
für M39 Leicas

Leicavit Rapidwinder SYOOM

Vorspulen mit Links

Mit keiner anderen Vorspultechnik arbeitet es sich so organisch und flüssig wie mit einem Leicavit.

Der Leicavit ist ein sogenannter Schnellaufzug, häufig unter dem englischen Begriff Rapid-Winder bekannt.

Mit einer einzigen geschmeidigen Handbewegung nach Links wird die Verschlussmechanik gespannt und der Film eine Aufnahme weiter transportiert.
Bei einer Barnack drehen sich dann 4 Rädchen auf der Deckelplatte gleichzeitig - wie von Zauberhand.


Leicavit SYOOM on a IIIf RD
Bedienung einer Leica IIIf mit Leicavit.
Fokussieren und vorspulen mit Links, auslösen, stabilisieren und führen mit Rechts.

Sinn

Mit dem Leicavit lassen sich problemlos zwei Aufnahmen pro Sekunde machen!

Aber ist das der Sinn dieses Geräts?
Wohl kaum...

Der Leicavit tut das gleiche wie ein Schnellspannhebel bei den M-Kameras, nur besser. Er ermöglicht Aufnahmen in rascher Folge, ohne dass umgegriffen oder die Kamera vom Auge genommen werden muss. So arbeitet es sich sehr effizient, entspannt und unterbrechungsfrei. Gerade bei Portrait-Shootings oder auf Hochzeiten ist er eine wertvolle Unterstützung.

Leicavit SYOOM on a IIIf RD with SBOOI brightline finder
Mein Outfit für schnelle Bildfolgen in dynamischen Aufnahmesituationen: Leicavit SYOOM auf einer Leica IIIf mit roten Kontaktzahlen mit Objektiv Elmar 5cm 1:3,5 und SBOOI Leuchtrahnmensucher.

Im sonstigen Alltag ist der SYOOM vor allem eines: Ein stylisches Accessoire mit einer sehr zufriedenstellenden Mechanik - auch das natürlich nicht zu verachten.

Wirklich benötigen wird den Leicavit heute vermutlich kaum jemand. Trotzdem: Es gibt keinen cooleren Weg eine Kamera aufzuziehen, das steht außer Frage.

Besonders für Linksäuger wie mich ist der Leicavit einem Schnellspannhebel, wie er mit der Leica M3 eingeführt wurde, deutlich überlegen. Für Linksäuger ergibt ein Schnellspannhebel praktisch keinen Sinn, da man sich mit dem Gesicht immer im Weg ist und wer schon mal einen Schnellspannhebel im rechten Auge hatte, weiß den SYOOM gleich nochmal ganz anders zu schätzen. Außerhalb des Leica-Universums gibt es da ein paar ganz gemeine Hebel mit ordentlich Zug im Rückschwung und fiesen Kanten.

Ich liebe den Leicavit, weil ich geniale, puristische, mechanische Konstruktionen und elegante Lösungen liebe. Und genau das ist der SYOOM - eine genial elegante Lösung!

Funktionsweise

Der SYOOM wird anstelle der Bodenplatte angebracht. Von oben gesehen bleibt die Kamera unverändert. Er ist ein gutes Stück höher als die normale Bodenplatte, sodass die Barnack mit angesetztem SYOOM 9mm höher ist als im Normalzustand. Ansonsten bleibt der Formfaktor der Kamera unverändert. Viele Nutzer finden, dass die Leica mit Leicavit durch die zusätzliche Höhe besser in der Hand liegt.

Um die Kamera-Mechanik von unten antreiben zu können, greift der Leicavit mit einer kleinen Antriebsachse mit Nocke von unten durch die Aufwickelspule an die Achse des Vorspulknopfes und hängt dort in eine Aussparung ein.

Zieht man den Hebel auf der Unterseite des SYOOM von rechts nach links, so wird im Inneren des eleganten Gehäuses die lineare Gleitbewegung in eine Drehbewegung umgewandelt, welche schlussendlich dann die Kamera aufzieht.

Leicavit SYOOM on a IIIf RD
Bedienung einer Leica IIIf mit Leicavit.

Die Technik dahinter ist in gewohnter Ernst Leitz Perfektion ausgetüftelt. Der aus- und einklappbare Zughebel verfügt über eine Arretierung im ausgeklappten Zustand, die sich mit einem Druckknopf lösen lässt. Eingeklappt verschwindet der Hebel flächenbündig im Boden und verschließt damit gleichzeitig die Öffnung des Zugweges.

Der Hebel läuft auf zwei Gleitschienen und schnellt nach dem Betätigen mit Hilfe zweier Spiralfedern in die Ausgangsposition zurück. An ihm ist eine Kette befestigt, welche an einer Gleitschiene entlanggeführt wird, bevor sie sich um ein Zahnrad wickelt. Letzteres ist mit der Antriebswelle verbunden. Die Antriebswelle ist mit einer lautlosen Freilaufratsche versehen, sodass sie sich nur dreht, wenn man den Hebel zieht, nicht aber rückwärts läuft, wenn man den Hebel zurückgleiten lässt.

Hier wurde wirklich an alles gedacht, es gibt sogar Schwingungsdämpfer aus Messingblech, die das Nachschwingen der Spiralfedern effektiv unterbinden. Somit verursachen die Federn nicht den typischen Ton einer sich spannenden oder entspannenden Spiralfeder. Der SYOOM ist flüsterleise!

Übrigens: Die Kamera kann weiterhin auch ganz normal von oben bedient werden, trotz angesetztem Schnellaufzug.

Preise und Verfügbarkeit

Der Leicavit ist zu Recht ein begehrtes Gerät und war stets ein teures Zubehörteil, sodass nicht viele Exemplare im Umlauf sind. Mit ein wenig Geduld wird man einen gut erhaltenen SYOOM finden. Stand 06/2026 sollte man je nach Zustand zwischen 750€ und 1200€ rechnen, wobei man am oberen Ende leichter fündig wird.
Übrigens kostet 2026 ein neuer Leicavit-M bei Leica rund 1100€.

Geschichte

Leicavit SYOOM with red makers box
Leicavit SYOOM mit Originalverpackung.

Die ersten Vorserien-Leicavit wurden im Jahr 1951 auf der Messe Photokina vorgestellt. In die Serienproduktion ging der SYOOM dann aber erst im Jahr 1953. Leider sind die Fertigungszahlen dieses Hilfsgeräts unbekannt. Sicher ist aber, dass er mit dem Ende der Schraubleicas im Jahr 1963 aus den Katalogen verschwand.

Als Vorläufer oder vielmehr Ideengeber für den SYOOM gilt der Schnellaufzug SCNOO. Dieser basiert auf einer grundlegend anderen Mechanik, welche zudem noch deutlich offener liegt, verfolgt aber die gleiche Grundidee.

In späteren Jahren wurde das Prinzip des Leicavit SYOOM auf ein Gerät für das M-System übertragen, den SYOOM-M. Dieser wird für die verschiedenen M-Modelle teilweise bis heute produziert. Die modernen Versionen sind allerdings nicht mehr so elegant wie der originale SYOOM für die Barnack-Leica und sie haben auch nicht mehr die gleiche wunderbar samtig seidige Chrom-Oberfläche. Die modernen Modelle sind für M-Kameras ausgelegt, funktionieren also nicht auf einer Barnack.

Kompatibilität

Der SYOOM ist Leicas mit einer Seriennummer höher als 400 000 vorbehalten. Konkret bedeutet das, dass der SYOOM mit allen Leica f und g und mit den späten Leica c verwendbar ist.
Auf frühere Modelle passt er nicht, dafür kommt dann ein anderer Schnellaufzug, der SCNOO, in Frage.

Alle Leicas ab der Seriennummer 622 251 konnten mit dem Leicavit ohne Weiteres zusammenarbeiten.
Bei früheren Kameras musste ein kleiner Umbau vorgenommen werden (erst ab SrNr. 400 000 möglich).

Leicavit SYOOM on a IIIf RD
Leica IIIf "Leitz-Eigentum" mit roten Kontaktzahlen aus dem Jahr 1954 mit Leicavit SYOOM und 5cm Elmar.

Probleme

Ab Werk waren alle Leica IIIf und IIIg ab spätestens dem Jahr 1953 auf den Leicavit vorbereitet und funktionierten damit tadellos. Besitzt man heute eine Barnack-Leica, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie mit dem Leicavit nicht ordnungsgemäß zusammenarbeitet.

Das liegt daran, dass man als Reparateur bei einer CLA die Spindel unter dem Vorspulrad, ohne es zu bemerken, in einer beliebigen Position einsetzen kann. Das bleibt ohne Folgen, bis jemand auf die Idee kommt, einen SYOOM zu verwenden.

Das Problem: Der SYOOM erwartet die Spindel in einer spezifischen Position. Findet er sie dort nicht vor, so geht trotzdem nichts kaputt. Man muss dann allerdings den Hebel zweimal betätigen, um den Verschluss vollständig zu spannen. Löst man aus, bevor der Verschluss vollständig gespannt ist, läuft er mit Überlappung, d.h. geschlossen, ab und die Aufnahme bleibt unbelichtet. Das ist natürlich sehr schade. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann bei einer Wartung mal nicht auf die für den SYOOM nötige Stellung der Spindel geachtet wurde, ist groß.

In aller Regel ist dieses Problem leicht zu beheben. Schreiben Sie mir gerne eine Nachricht, sollte es bei Ihnen auftreten.

Übrigens: Alle Leicas für die der SYOOM verwendbar ist, die bei mir im Service waren oder von mir verkauft werden, sind auf den SYOOM justiert und auf einwandfreies Zusammenspiel mit meinem Leicavit getestet.

Wartung

Die Mechanik des Leicavit ist starken Belastungen ausgesetzt. Er muss daher im Inneren sauber und korrekt gefettet sein.

Der Leicavit muss leichtgängig und nahezu lautlos laufen und der Hebel muss zügig in die Ausgangsposition zurückschnellen.

Sollte er sich schwergängig oder hakelig anfühlen, muss er zum Service. Ansonsten droht die Mechanik dauerhaft Schaden zu nehmen.

Ich bitte immer darum den Leicavit nicht selbst von außen zu ölen, da dies auf lange Sicht kontraproduktiv ist. Der SYOOM hat nur wenige geschmierte Stellen und das ist auch gut so, denn ansonsten bleibt nach und nach der Staub im Inneren kleben. Zudem läuft die Mechanik auf Gleitfett, welches nicht mit Öl verdünnt werden darf.

Fazit

Der Leicavit ist eines der wohl coolsten Zubehörteile zur Leica und hat absoluten Kultstatus erreicht.
Wem das Vorspulen mit dem Rädchen bei Barnack-Leicas zu langsam oder umständlich ist, sollte sich nach einem SYOOM umschauen.

Das Fotografieren mit dem Leicavit an einer Barnack macht sehr viel Freude und die Mechanik ist einfach zufriedenstellend!


Leicavit SYOOM on a IIIf RD

Übersicht Hilfsgeräte