Ernst Leitz
Elmar 5cm 1:3,5
für Leica M39 / LTM
Das Momentobjektiv
Das 5cm Elmar ist legendär.
Es ist DAS Schraubleica-Objektiv schlechthin.
Eingeführt im Jahr 1925 wurde es 1930 zum ersten Wechselobjektiv in der Geschichte der Kleinbildfotografie und ist bis heute das kompakteste aller Schraubleica-Objektive.
Das 5cm Elmar war prägend für den „Leica-Look“ in den Arbeiten vieler bekannter Fotografen des 20. Jahrhunderts.
Es ist scharf, exzellent korrigiert und zeichnet sehr harmonisch.
Den Bildeindruck empfinde ich als besonders natürlich für das menschliche Auge.
Erst mit der Einführung des berühmten Summicron 5cm 1:2 im Jahr 1953, unter Einsatz von Lanthangläsern und einer ungleich aufwändigeren Optikkonstruktion, konnte das 5cm Elmar in den Punkten Auflösungsvermögen, Vignettierungsfreiheit und Kontrast übertroffen werden. Die Kompaktheit des Elmars ist bis heute ungeschlagen.
Mit 5cm bzw. 50mm Brennweite ist es ein Objektiv mittlerer Brennweite und damit gewissermaßen ein Allrounder.
Nur selten benötigt man eine lichtstärkere Optik als 1:3,5. Mit dem Elmar durch die Straßen zu ziehen macht einfach Spaß! Eine Barnack mit Elmar nimmt man gerne überall mit hin.
Look
Das 5cm Elmar ist das erste Objektiv des Leica-Systems und gehört für mich zu den besten je geschaffenen Normalbrennweiten in puncto Bildeindruck. Es zeichnet sehr organisch und gefühlvoll. Die Fotografien wirken klassisch und haben Größe. Sie transportieren eine ruhige, edle aber zugleich einfühlsame Atmosphäre.
Das Elmar zeigt keinerlei charakteristische Bildfehler oder auffällige Effekte, anders als zum Beispiel das Summar und Summitar, sondern besticht durch eine absolut harmonische Zeichnung und das, ohne charakterlos zu wirken.
Nutzt man ein sauberes und vergütetes Exemplar, so erzeugt das 5cm Elmar einen zurückhaltenden Vintage-Look, knackige Kontraste und kontrollierte Lichter, zeichnet aber nach wie vor Elmar-typisch. Die Fotos wirken vergleichsweise modern, aber ohne den technisch perfektionierten, klinischen Look heutiger Objektive.
Um einen stärkeren Vintage-Look zu erzielen, nutzt man die nicht-vergüteten Versionen. Das Objektiv zeichnet dann dennoch scharf und sauber, jedoch werden kontrastreiche Kanten weicher und die Lichter bekommen einen samtigen Glow. Je nach gewünschtem Bildeindruck kann das die Atmosphäre sehr gut unterstützen.
Einen richtigen Glow erreicht man mit leicht nebligen Elmaren. Der bedachte Einsatz solcher Objektive hat seine Berechtigung und kann als Gestaltungsmittel das kreative Schaffen unterstützen und sehr viel Freude bereiten.
Man muss dann deutliche Kontrastverluste und eine etwas verringerte Schärfe einplanen, wird aber oft mit einer Zartheit und einem warm und gemütlich wirkenden Bildeindruck belohnt. Lichter und Reflexionen beginnen regelrecht zu leuchten!
Bildbeispiele eines nebligen 3,5cm Elmars gibt es hier. Die Wirkung ist vergleichbar.
Das Bokeh transportiert bei F 3,5 eine tolle Stimmung ohne aufdringlich zu sein. Für Portraits ist das Objektiv durchaus nicht ungeeignet, der Hintergrund wird damit nicht diffus und ultraweich, wie man das von modernen, lichtstarken Portrait-Objektiven kennt, sondern ist deutlich gezeichnet. Ich persönlich mag diesen Look für manche Portraits, da sich die Personen bereits gut vom Hintergrund absetzen, trotzdem die Umgebung aber noch erkennbar bleibt. Hierdurch wird das Motiv nicht so sehr von seiner Umwelt isoliert, der Kontext bleibt erhalten und die höhere empfundene Raumtiefe kann die Atmosphäre unterstützen. Portraitobjektive erzeugen gerne zwei Ebenen, die Scharfe (die Person) und die Unscharfe (der Hintergrund). Dazwischen gibt es gefühlt nichts. Diese etwas unnatürliche Isolation hat sich in der Portraitfotografie durchgesetzt, da sie einen sehr simplen Weg zu professionell wirkenden Portraits darstellt. Sie ist aber nicht in jedem Fall vorteilhaft und auch nicht unbedingt besonders kreativ.
Bei der Blende hat Ernst Leitz keine Mühen gescheut und dem winzigen Objektiv 10 leicht abgerundete Lamellen spendiert, die für eine nahezu kreisrunde Öffnung über den gesamten Einstellbereich sorgen. Hierdurch bleiben Lichtpunkte rund und treten nicht als störende Polygone hervor.
Die maximale Abbildungsleistung wird wie üblich in etwa bei Blende 8 erreicht.
Besonderheit
Gute optische Eigenschaften sind für 50mm/5cm Objektive aus heutiger Sicht natürlich die Regel.
Das wirklich Großartige am Elmar ist seine Kompaktheit!
Das Objektiv ist zusammenschiebbar (kollabierbar) und verschwindet im ungenutzten Zustand nahezu vollständig im Inneren der an sich schon kleinen Leica und die Leica damit in jeder Manteltasche.
Im Grunde ist die Leica mit Elmar im Transportzustand nicht größer als der Kamera-Body mit Gehäusedeckel! Mit einem einzigen Handgriff hat man eine Spitzenoptik einsatzbereit. Genial!
Unauffälliger geht es nicht.
Sie wollen mit einer soliden Ausrüstung unbemerkt und völlig unterschätzt auf die Jagd nach authentischen Fotos gehen? Dann kommen Sie am Elmar nicht vorbei!
Die Brennweite des Elmars entspricht der des eingebauten Suchers einer Barnack-Leica, sodass kein weiteres Zubehör erforderlich ist.
Das System ist klein und schwer, die Leica stoßfrei und sanft in der Auslösung. So sind auch längere Belichtungszeiten kein Problem. Ich habe eine Reihe ausreichend scharfer Fotos bei 1/5s Belichtungszeit aufgenommen. Bei 50mm Brennweite!
Eine Schraubleica fühlt sich in der Hand sehr schwer an, tatsächlich trifft das Attribut „dicht“ besser zu als „schwer“. Eine IIIf mit roten Kontaktzahlen und Vorlaufwerk mit 5cm Elmar und eingelegtem Film wiegt gerade mal 550g. Man kann sie den gesamten Tag umhängen haben, ohne sie zu spüren. Durch das extrem flache Profil bei eingefahrenem Elmar geht einem seine Begleiterin wirklich nie im Weg um.
Empfehlung: Das beste Objektiv für die Momentaufnahme
Das Elmar ist meine erste Wahl für den Alltag und mein immer-dabei-Objektiv.
Für das schnelle und unkomplizierte Festhalten von flüchtigen Momenten aus dem echten Leben ist es herausragend.
Die relativ niedrige Lichtstärke ist dabei ein wirklicher Vorteil, denn man kann das Fokussieren mit Gelassenheit angehen und einfach draufhalten. Sich nicht zu verkopfen fällt einem mit dem Elmar leicht und gerade das ist für die Momentaufnahme entscheidend.
Die relativ niedrige Lichtstärke hat noch einen zweiten großen Vorteil: Das Objektiv konnte dadurch unschlagbar kompakt gebaut werden. So habe ich meine Kamera mit Elmar auch wirklich immer dabei und muss mir keine Gedanken machen, dass mein Apparat unpassend aussieht, ganz gleich wo.
Sie wollen auf einer Abendveranstaltung nicht mit dem Fotografen verwechselt werden?
Eine Barnack mit Elmar über der Schulter und den meisten Gästen wird entgehen dass Sie überhaupt eine Kamera mit sich führen.
Und dabei müssen Sie keine Abstriche bei der Bildqualität machen.
Film und Entwickler
Für diese Art des Fotografierens möchte ich vor allem eines: maximale Flexibilität.
Deshalb belade ich für die Momentfotografie die Kamera mit hochempfindlichem Schwarzweißfilm wie zum Beispiel HP5 Plus oder Kentmere 400. Diese Filme weisen einen großen Empfindlichkeitsspielraum auf (man kommt also relativ gut ohne das Messen der Belichtung aus) und bieten auch in Innenräumen und am Abend noch eine ausreichende Empfindlichkeit.
Kurz gesagt, man ist damit besonders flexibel.
Für die Entwicklung wähle ich dann einen Entwickler mit guter Empfindlichkeitsausnutzung und feinem, ruhigem Korn. Meine Empfehlung: ADOX XT-3 in der Verdünnung 1+1.
Sowohl HP5 als auch Kentmere 400 pushe ich in der Regel etwas und belichte wie ISO 800. Damit verliere ich nur wenig Schattenzeichnung und kann auch noch unter schlechten Lichtverhältnissen fotografieren.
Empfehlung 2: Makro
Eine zweite ganz große Stärke des Elmars liegt im Nahbereich. Es ist ein exzellentes Nah- und Makroobjektiv!
Um es hierfür einsetzen zu können, benötigt man auf einer Sucherkamera, wie der Leica, Hilfsgeräte. Dann aber weiß das Elmar zu begeistern!
Film und Entwickler
Im Nah und Makrobereich finde ich feinkörnige Filme besonders ansprechend.
Aus technischer Sicht ist es aber notwendig die Belichtungszeit möglichst kurz zu halten, um Verwacklungsunschärfe zu vermeiden. Deshalb lautet hier meine Empfehlung ISO 100 bis ISO 200. Damit lässt sich bei Sonnenlicht und im Studio auch bei den im Nahbereich nötigen Blenden von F8 und kleiner Bewegungsunschärfe vermeiden (von Wind als unserem ärgsten Feind im Nahbereich einmal abgesehen).
Um ein Plus an Schärfeeindruck zu gewinnen, ist meine Empfehlung ADOX CHS100II, ein ausgezeichneter Film. Für besondere Feinkörnigkeit empfehle ich Fuji Acros oder Ilford Delta 100.
Da man im Nahbereich zweifelsohne eine relativ hohe Ausschussquote hat, fährt man, insbesondere für Experimente, auch mit günstigen ISO100 Filmen wie Kentmere 100/200 oder Fomapan 100 bzw. 200 sehr gut.
Als Entwickler für Nah- und Makroaufnahmen empfehle ich scharf arbeitende Entwickler wie den FX-39 von ADOX.
Verfügbarkeit und Preis
Insgesamt wurden von den 5cm Elmaren mit Schraubfassung und einer Lichtstärke von 3,5 im Produktionszeitraum 1930-1953 in etwa 240.000 Stück gefertigt. Das mag erstmal nach einer großen Menge wirken, bedenkt man aber in welchen Größenordnungen von anderen Herstellern 50mm Objektive produziert wurden, ist das erstaunlich wenig. Zum Beispiel von Nikons Pancake 50mm 1.8 wurden in der Größenordnung 1.000.000 Exemplare über einen kürzeren Produktionszeitraum hergestellt.
Dennoch erfreuen sich die 5cm Elmare einer immensen Verbreitung und sind in Deutschland auf dem Gebrauchtmarkt leicht zu bekommen. Durch die, verglichen mit anderen Leica-Objektiven, hohen Fertigungszahlen zahlt man hier eher für den Gebrauchswert, als für den Seltenheitswert.
Es gilt allerdings zu beachten, dass die Objektive mindestens 70 Jahre alt sind. In Folge dessen ist meiner Erfahrung nach die große Mehrheit im Inneren neblig und weist Kratzer oder Vergütungsschäden auf.
Insbesondere feine Kratzer, häufig als Putzspuren bezeichnet, und Nebel werden von Verkäufern gerne verschwiegen. Hier gilt es wirklich vorsichtig zu sein!
Perfekte Elmare haben dann doch auch schon wieder einen gewissen Seltenheitswert.
Die gute Nachricht: Sehr wenige (einzelne) kleine Kratzer bereiten erfahrungsgemäß keine Probleme.
Der umgangssprachlich als Nebel bekannte, ölige Beschlag im Inneren vieler alter Objektive kann die Abbildungsleistung ganz erheblich beeinträchtigen, mindert Kontraste, lässt Lichter ausblühen und reduziert die Schärfe.
Zu einem gewissen Grad kann das ein wünschenswerter Effekt sein, wenn man auf sehr deutlich hervortretenden Vintage-Look steht. Das kann aber auch sehr schnell störend werden und viele Aufnahmen ruinieren.
Durch eine (nicht ganz günstige) Überholung des Objektivs kann Nebel beseitigt werden.
Gut benutzbare, verchromte Elmare in mittelmäßigem kosmetischen Zustand bekommt man ab 300€. Für wirklich perfekte (kosmetisch und optisch) muss man schon eher mit 400-500€ rechnen. Bei den Vernickelten halte ich für ein gut erhaltenes 450€ und für ein perfektes 550-650€ für einen angemessenen Preis. (Stand 06/26)
Wie bei allen sehr alten Leica-Produkten darf man dabei aber nicht vergessen, dass die Sachen defacto keinen Wertverlust haben.
Das sind wir nicht gewohnt.
Passt man gut auf seine Sachen auf und verkauft sie zu einem späteren Zeitpunkt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man die gesamte Nutzungsdauer nahezu kostenlos bekommen hat. Es kann sogar sein, dass man Gewinn damit macht ein hochwertiges Gerät zu benutzen. Verrückt oder?
Diesen Punkt sollte man auf jeden Fall im Hinterkopf haben, wenn man sich Gedanken über die Preise von Leica-Technik macht.
Objektiv putzen (Vorsicht!)
Damit oben genannte Kalkulation aufgeht, sei an dieser Stelle angemerkt, dass man gut beraten ist, alte Objektive so wenig wie möglich zu putzen! Geringe Mengen Staub und Schmutz auf der Frontlinse sind in den Aufnahmen absolut nicht bemerkbar. Ich empfehle ein Objektiv wirklich nur bei stärkerer Verschmutzung zu reinigen und auch dann ausnahmslos nur, wenn ein sauberes, geeignetes Putztuch zur Verfügung steht. Die alten Glassorten und Vergütungen sind sehr weich, hier kann man schnell ein tolles Objektiv und sehr viel Wert vernichten!
Objektive werden nie unterwegs mit dem Hemdsärmel oder dem T-Shirt geputzt.
Das ist allzu verlockend aber wirklich ein no-go!
Hier hat man nahezu immer winzige, harte Staubpartikel im Stoff, die das Objektiv unter Garantie beschädigen. Auch das gute alte Mikrofasertuch, das hinterlistig im Rucksack lauert, ist kein kluger Einfall.
Da die Blendeneinstellung beim Elmar etwas fummelig vorne um die Frontlinse angeordnet ist, kann man in einer ungeschickten Aktion leicht mal einen Fingertapper auf der Linse hinterlassen. Mir zumindest passiert das von Zeit zu Zeit. Weise, wer so einen Fingerabdruck einfach zu ignorieren weiß. Ehrlich, das macht gar nichts!
Damit das ästhetische Empfinden wieder ungestört ist und das Abbild des Ungeschicks spurlos verschwindet, nimmt man sich nach der Fototour kurz Zeit und behebt das in einer sauberen Umgebung.
Ich gehe wie folgt vor: Im Idealfall zuerst Frontlinse mit einem weichen Pinsel, ich würde Echthaar (z.B. Ziege) empfehlen, von Staub freipinseln. So ist man etwaige Reibepartikel auf dem Glas los. Am besten auch außenrum den Staub entfernen.
Dann ein altes (weil sehr gute Oberfläche) und frisch gewaschenes Baumwoll (!) T-Shirt gut ausschütteln, die Linse anhauchen und, besonders wichtig, völlig ohne Druck, die Tuchstelle immer wieder wechselnd, ganz langsam kreisförmig die Linse putzen. Zwischendurch immer wieder anhauchen. Viel Licht ist hilfreich.
Meine Empfehlung: nicht zu perfektionistisch sein. Wer hier versucht, durch minutenlanges Putzen auch noch den letzten mikroskopischen Schmutz zu beseitigen, beschädigt das Objektiv unwiederbringlich!
Und das Wichtigste überhaupt: Kein Druck! Stellen Sie sich dabei vor Sie würden ihr Auge abwischen wollen, dann haben sie den richtigen Druck.
Zubehör
Sonnenblenden
Für ein so frühes Objektiv ist das Elmar extrem resistent gegen Flares, selbst unvergütet.
Es gibt trotzdem Situationen, in denen eine Sonnenblende angebracht ist. Zum Beispiel bei Niederschlag. Generell ist sie als Schutz keine schlechte Idee, da die vorderste Linse des Elmars recht exponiert liegt und das Glas weich und leicht zu beschädigen ist.
In der Praxis habe ich ehrlicherweise auf dem Elmar oft nur einen Objektivdeckel und keine Sonnenblende, da ich die Kompaktheit des Objektivs sehr schätze.
Die ursprüngliche Sonnenblende zum 5cm Elmar nennt sich FISON (das ist ihr sogenanntes Tel.-Wort).
Eine verchromte FISON ist günstig und praktikabel, mit ihr macht man nichts verkehrt. Je nach Zustand und Version bekommt man sie für 40-120€ (Stand 07/26).
Insbesondere auf schwarzen Leicas und vernickelten Elmaren kommt für den Ästheten nur eine FISON aus schwarz lackiertem Messing in Frage, wobei man dann mit 160-380€ rechnen muss, selten kann man auch schon für 120€ eine bekommen (Stand 07/26).
Es exisiteren auch schwarze FISON aus lackiertem Aluminium, an Stelle von Messing, diese sind etwas günstiger und regelmäßig ab 120€ zu bekommen. Mehr als 160€ würde ich für eine aus Aluminium nicht ausgeben, da bei Lackabnutzung das silberne Aluminium hervorkommt, was wieder nicht so gut zu einer Leica mit sichtbarem Messing passt.
Wer es genau nimmt, sollte zudem einen Blick auf die Klemmschraube werfen, da es diese etwas seltener in vernickelt und etwas häufiger in verchromt gibt (entsprechend sind, sofern der Verkäufer davon weiß auch die Preise). Zu einer schwarzen Leica mit Nickel-Bedienelementen wäre eine vernickelte Klemmschraube optimal.
Die, die es richtig authentisch wollen, benötigen für sehr frühe Objektive die erste Version des FISON, in schwarz und zum Stecken, das heißt ohne Klemmschraube. Diese sind jenseits der 300€ angesiedelt (Stand 07/26).
Ob man so eine Sonnenblende dann wirklich unbeschwert zum Schutz auf seinem Elmar herumträgt? Aber Stil hat sie, das gebe ich gerne zu!
Abgesehen von der eben genannten, ältesten FISON, kann man mehr oder weniger sicher auf allen den Standard-Objektivdeckel, welcher z.B. aufs Elmar passt, anbringen.
Auf der modernsten Version der FISON hält der Objektivdeckel wirklich sicher. Man erkennt diese an der gerade-endenen Front, welche scharf nach innen gebördelt ist. Sie ist deutlich seltener als die rundlich gebördelten Versionen und so bedarf es etwas Glück eine aufzutreiben.
Eine Alternative zur FISON ist die sog. FIKUS, eine Universalsonnenblende, ausziehbar für die Brennweiten 5cm, 9cm und 13,5cm. Nutzbar auch auf dem Ekurz, dem 3,5cm Elmar.
Somit ist die FIKUS die Sonnenblende für alle Elmare! (vom Berg-Elmar, das seine eigene Sonnenblende mitbringt mal abgesehen).
Die FIKUS ist teilweise bereits ab 40€ zu bekommen und kostet selbst in perfektem Zustand nicht über 120€ (Stand 04/26).
Hat man mehrere Elmare, ist FIKUS die beste Lösung.
Eingefahren ist sie schwarz und damit auch auf schwarzen Leicas und vernickelten Optiken relativ unverfänglich.
Ein Nachteil: Man kann damit keinen Objektivdeckel nutzen.
Die Universalsonnenblende FIKUS gibt es in verschiedenen Versionen. Der äußere/vordere Teil ist stets schwarz lackiert, aber der im ausgezogenen Zustand zum Vorschein kommende Teil kann vernickelt (selten, d.h. teuer), glänzend verchromt (häufiger) und matt verchromt (häufig, günstig und oft gut erhalten) sein. Die Klemmschraube gibt es vernickelt (selten) oder verchromt (häufig).
Sucher
Braucht man zum 5cm Elmar einen Sucher? Nicht wirklich.
Für Brillenträger, bei Dunkelheit oder in dynamischen Aufnahmesituationen ist der Leuchtrahmensucher SBOOI aber eine ausgezeichnete Lösung.
Geschichte
Im Jahr 1924, als die Leica zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde, befand sich an ihr ein Objektiv mit der Beschriftung "Leitz Anastigmat". Es handelte sich um einen von Max Berek konstruierten Fünflinser, bei dem die hintersten drei Linsen miteinander verkittet waren und folgte dem Grundprinzip des Triplett-Objektivs.
Zu dieser Zeit besaß die Leica noch kein Wechsel-Gewinde, das Objektiv war fest verbaut. Ansonsten ähnelte es stark dem späteren 5cm Elmar und war bereits versenkbar.
Der Anastigmat wurde insgesamt wohl in nicht mehr als 250 Kameras verbaut, bevor sein Name in "Elmax" (von ERnst Leitz - MAX Berek) geändert wurde. Dies Änderung betraf lediglich die Bezeichnung des Objektivs, der optische Aufbau aber blieb unverändert. Vom Elmax wurden etwa 1000 Stück produziert.
Verbesserte Glassorten und eine Neuberechnung ermöglichten im Laufe des Jahres 1924 schließlich eine vereinfachte Konstruktion, die mit nunmehr vier Linsen vergleichbare optische Eigenschaften erreichte. Aus dem dreifachen Kittglied war ein Zweifaches geworden - Das Elmar war geboren!
Eingeführt im Jahr 1925 war es zunächst noch fest auf den Leicas installiert. Die Wechselfassung kam 1930 auf den Markt. Damit wurde das 5cm Elmar zum ersten Wechselobjektiv in der Geschichte der Kleinbildfotografie.
Versionen und Feinheiten
Jedes 5cm Elmar mit Offenblende 1:3,5 ist grundsätzlich aus Messing gefertigt und fühlt sich trotz des geringen Gewichts von gerade einmal 110 g sehr wertig und präzise an. Die optische Konstruktion ist über den gesamten Produktionszeitraum im Wesentlichen identisch geblieben. Auch die Position der Blendeneinstellung, Zahl und Form der Blendenlamellen sowie der Fokus sind bei allen Versionen gleich.
Dennoch existieren eine Reihe bedeutender Unterschiede.
Der im direkten Vergleich wohl auffälligste Unterschied ist rein von ästhetischem Interesse und liegt in der Oberflächenveredlung:
Oberfläche: Nickel vs. Chrom
Von 1930 bis etwa 1935/1936 wurden auswechelbare Leica-Objektive von Ernst Leitz mit vernickelter Oberfläche ausgeliefert.
In etwa ab 1933 begann man die Objektive zunehmend zu verchromen. Zunächst standen beide Oberflächenbeschichtungen parallel zu einander zur Auswahl, bis ab dem Jahr 1936 ausschließlich verchromte Elmare gefertigt wurden.
Während Chrom einen kühlen, sehr hell reflektierenden, technisch perfekt aussehenden Glanz aufweist, wirken Nickeloberflächen, obwohl ebenfalls hochglänzend, wärmer und lebendiger.
Chrom wirkt auf uns moderner und technischer, Nickel dagegen wirkt antiker und vermittelt eher den Eindruck von Handwerkskunst.
In beiden Fällen aber, Nickel und Chrom, hat es Ernst Leitz wie kaum eine andere Firma meisterlich verstanden Oberflächen so zu veredeln, dass sie bedingungslose Perfektion ebenso ausstrahlen wie gelebte Feinwerk-Handwerkskunst.
Beide Oberflächen haben ein recht gutes Alterungsverhalten und sehen selbst in deutlich abgenutzt edel und wertvoll aus. Nickel hat hier in meinen Augen etwas die Nase vorn.
Von Links nach Rechts: unvergütetes, vernickeltes Elmar, dann ein sehr frühes aber nachträglich vergütetes Nickel-Elmar ohne Seriennummer (d.h. von vor 1932). Daneben zwei verchromte Elmare, das Linke davon mit Entfernungsskala in Feet.
Für mich sind gut erhaltene vernickelte Elmare besonders reizvoll. Mindestens seit 70 Jahren sind alle Oberflächen in der gesamten Kamera- und Objektivbranche verchromt, eloxiert oder lackiert und verkörpern vor allem Eines: Industrielle Perfektion.
Hiervon heben sich die vernickelten Objektive sehr deutlich ab und sind schon irgendwie eine Klasse für sich. Vernickelte Oberflächen sind eng mit den Anfängen der Kleinbildfotografie verbunden.
Für sehr alte, sowie für alle ab Werk schwarz lackierten Schraubleicas sind vernickelte Objektive fast ein Muss, denn bei diesen Kameras sind die Bedienelemente vernickelt. Klar kann man hier auch mischen, empfehlen würde ich das, sofern man die Wahl hat, nicht.
Vergütung
Alle späten Elmare waren serienmäßig vergütet. Doch auch von allen früheren Versionen gibt es zahlreiche vergütete Exemplare. Man findet sogar ganz offensichtlich vergütete Elmare aus Fabrikationsjahren weit vor der Erfindung der Vergütung. Dies kommt daher, dass man als Kunde sein Elmar zur nachträglichen Vergütung ins Werk schicken konnte!
Die Linsenbeschichtungen dieser Tage waren noch nicht sehr hart und kratzbeständig uns sind deshalb heute oft nicht mehr perfekt. Das ist allerdings weniger dramatisch als man meinen würde. Wenige feine Kratzer werden im Bildergebnis nie auffällig.
Regelrecht zerschundene Vergütungen dagegen würde ich meiden.
Übrigens: nachdem das Elmar aus lediglich drei Linsengruppen besteht und somit die Zahl der Glas-Luft-Übergänge auf 5 begrenzt ist, ist der Unterschied zwischen vergüteten und unvergüteten Exemplaren erstaunlich gering.
Red Scale vs. Black Scale
Etwa im Jahr 1951 kam eine neue Variante des 5cm Elmars auf den Markt. Die wesentlichste Änderung liegt in der getauschten Position von Entfernungsskala und Schärfentiefe-Index. Nun befand sich der Schärfentiefe-Index auf der Fassung und nicht mehr auf dem drehbaren Tubus. Seine Zahlen sind mit rotem Lack gefüllt, daher die inoffizielle Bezeichnung "Red Scale".
Sehr häufig wird behauptet, dass mit dieser Umstellung auch eine Änderung der Glassorten in Verbindung mit veränderten Linsenradien eingeführt wurde. Meines Erachtens ist dies ein Mythos. Es gibt es mehr Belege, die gegen, als für diese Theorie sprechen. Gerne wird hier auch die Vermutung angestellt, es kamen die neuartigen Lanthan-Krongläser zum Einsatz. Dies war nachweißlich bei der 1:2.8er Version des 5cm Elmars der Fall, gilt aber beim 1:3,5er Elmar als ausgesprochen unwahrscheinlich.
Was sicher ist: Ernst Leitz nahm immer wieder Änderungen bei seinen Glaslieferanten vor und dass dies nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war, ist sehr wahrscheinlich. Dadurch kann es zu kleineren Veränderungen in den optischen Eigenschaften der Gläser gekommen sein, welchen durch geringfügige Änderungen im Schliff der Linsen begegnet wurde. Das Red Scale Elmar ist sicher kein revolutionärer Neuentwurf. Die Tests vieler Nutzer bestätigen dies: Anhand der optischen Leistungen lassen sich die beiden Versionen nicht unterscheiden, sofern diese in einem ähnlich guten Zustand sind.
Wir halten fest: Die rot eingefärbten Ziffern auf neueren Elmaren sagen per se nichts über die optische Qualität eines 5cm Elmars aus. Der Erhaltungszustand und die Exemplarstreuung sind ausschlaggebend.
Nichts desto trotz wird der Mythos durch das Marketing diverser Händler missbraucht. Doch ob man sich für oder gegen die Red Scale Version entscheidet, ist keine Qualitätsfrage, sondern eine Frage dessen, welche Position der Schärfentiefe-Skala und welches Design man persönlich bevorzugt.
Ich selbst finde die Anordnung bei den Elmaren der prä-Red-Scale-Ära deutlich intuitiver und angenehmer in der Verwendung. Das Design mit schwarzen Zahlen gefällt mir an einer Barnack erheblich besser, ebenso wie die Oberflächenveredelung des Front-Ringes. Die elegantere Gestalt des alten Elmars ist für mich stimmiger und vermittelt einen hochwertigeren und edleren Eindruck.
Weitere Feinheiten
Bedingt durch die enorm lange Fabrikationszeit und die sehr frühe Einführung in der Geschichte der Leica, gibt es das 5cm Elmar, insbesondere seine frühsten Vertreter in unzähligen Varianten.
Erwähnt sei hier die Gestaltung des Knopfes an der Unendlich-Rastung, die in den ersten Fertigungsjahren immer wieder geändert wurde.
Weitere Aufnahmen mit dem Elmar: