Elmar 3,5cm 1:3,5 "EKURZ"

Das erste Weitwinkel zur Leica

Leica IIIf mit Nickel EKURZ. Es trägt nur 14 mm auf.

Das 3,5cm Elmar, genannt EKURZ, macht seinem Namen alle Ehre! Es trägt nur minimal mehr auf als ein 5cm Elmar in eingefahrenem Zustand. Das Ekurz aber ist kein ausziehbares Objektiv, es bleibt so kurz! Das Objektiv hat Charme und ist ultrakompakt und hat es damit auf Platz eins meiner meistverwendeten Objektive geschafft!
Mit einer Brennweite von 3,5cm bzw. 35mm zählt das Ekurz zu den mittleren Weitwinkelobjektiven.

Faszination und Geschichte

Das 3,5cm Elmar "Ekurz" war das allererste Weitwinkelobjektiv in der Geschichte der Kleinbildfotografie und hat den Standard in der Reportage- und Streetfotografie begründet.

Bei der Markteinführung 1930 war es das zweite Wechselobjektiv für die 35mm Fotografie überhaupt. Damit war, recht still und unbemerkt, die Systemkamera geboren!
Von da an entwickelte sich das Schraubleica-System rasant. Im selben Jahr wurden mit dem Tele-Objektiv Elmar 13,5cm 1:4,5 und dem, für diese Zeit, extrem lichtstarken Hektor 5cm 1:2,5 noch zwei weitere Objektive auf den Markt gebracht.
Bis zur Einführung des Summaron 3,5cm 1:3,5 im Jahr 1946 blieb das ehrwürdige Ekurz unangefochten.
Über den 20-jährigen Produktionszeitraum von 1930 bis 1950 wurden insgesamt etwa 42.000 Stück gefertig. Die frühen Exemplare waren vernickelt, ab 1936 wurde das Objektiv ausschließlich in verchromt ausgeliefert.
Ende des Jahres 1946 kamen die ersten vergüteten 3,5cm Elmare auf den Markt. Heute finden sich vergütete Exemplare aus allen Fertigungsjahren. Das lässt sich mit der Firmen-Philosophie von Ernst Leitz erklären: Nach der wohlüberlegten Einführung technischer Neuerungen, wurde den Besitzern der Vorgänger die Möglichkeit eröffnet, die nunmehr veraltete Technik auf den neuesten Stand bringen zu lassen! Man schickte also sein Ekurz ein, es wurde im Werk zerlegt, die Linsen bei Bedarf neu poliert, vergütet, die Mechanik gewartet und man bekam sein geliebtes Stück, nun technisch auf dem allerneuesten Stand, zurück.

Look

Mir gefällt sehr wie dieses Objektiv zeichnet! In der Praxis vollständig frei von Verzeichnung, ein bisschen soft, mit deutlichem Glow. Abgeblendet ist es ziemlich scharf, der Glow aber bleibt.
Bei Offenblende ist mir meins in der Regel zu unscharf, vor allem an den Bildrändern. Für Nachtaufnahmen wäre es somit nicht mein Favorit.
Bei Tage, wenn man abblenden kann, nimmt die Schärfe an den Bildrändern deutlich zu und die Vignettierung verschwindet nahezu vollständig.
Das Ekurz ist exzellent auf Verzeichnungsfreiheit korrigiert, das heißt, gerade Linien bleiben auch wirklich gerade. Hierdurch ist es gut für Architektur geeignet.
Es fällt mir schwer den Look des Objektivs in Worte zu fassen. Die Aufnahmen haben einfach Klasse! Irgendwie wirken sie historisch und nach Handarbeit.
Es gelingt mir mit diesem Objektiv besonders gut die angestrebte Stimmung zu transportieren.

Am besten lässt sich der Look eines Objektivs anhand von Beispielen zeigen. Die folgenden Aufnahmen sind alle mit einem unvergüteten Nickel-Ekurz entstanden, welches im Inneren etwas neblig ist. Der Nebel sowie die unvergüteten Gläser fördern gewiss den Glow und bringen eine minimal stärkere Unschärfe mit sich, als das bei einem klaren und bei einem vergüteten Ekurz der Fall wäre.
Ich plane bald möglichst mal einen Vergleich der vergüteten und unvergüteten Version sowie einer klaren und trüben herauszubringen. Jetzt aber erstmal ein paar Fotos:

Wunderschöner Glow durch Gegenlicht. London, unvergütetes, leicht trübes Nickel-EKURZ. Alle Scans auf dieser Website sind nicht nachgeschärft. HP5 Plus @ EL800 in XT-3 1+1.
London mit Leica IIIf und unvergütetem, leicht trübem Nickel-EKURZ. HP5 Plus @ EL800 in XT-3 1+1.
Die weit geöffnete Blende führt zu deutlicher Randunschärfe, die gar nicht mal so nah am Rand bleibt. Die Lichter zeigen einen kräftigen Glow!. London mit Leica IIIf und unvergütetem, leicht trübem Nickel-EKURZ. HP5 Plus @ EL800 in XT-3 1+1.
London mit Leica IIIf und unvergütetem, leicht trübem Nickel-EKURZ. HP5 Plus @ EL800 in XT-3 1+1.
London mit Leica IIIf und unvergütetem, leicht trübem Nickel-EKURZ. HP5 Plus @ EL800 in XT-3 1+1.

Zubehör

Sucher

Schwarze Leica III mit Nickel-Ekurz und schwarzem "Weisu" 3,5cm Spezialsucher

Wer sich nicht auf das relativ unpräzise Schätzen der Brennweite, ausgehend vom internen 5cm Sucher einer Schraubleica, verlassen möchte, benötigt für 3,5cm Objektive einen Aufstecksucher.
Ursprünglich wurde mit dem Ekurz der "Spezialsucher 3,5cm" mit der Bezeichnung WEISU eingeführt. Zum Nickel-Ekurz bräuchte man den in schwarz und mit vernickeltem Fuß. Damit ist man zwischen 1000 und 2000€ los (Stand 03/26).
In Chrom gibt es ihn immerhin ab etwa 400€ (Stand 03/26). In der Praxis fnde ich den Weisu eher suboptimal. Historisch ist er aber natürlich bedeutsam und er ist ohne jeden Zweifel die kompakteste Wahl.

In der Anwendung finde ich den vergleichsweise modernen Spiegelsucher SBLOO aus den 50er Jahren unschlagbar. Hierzu gibt es hier einen separaten Artikel.
Außerdem sind die Universalsucher VIDOM und VIOOH für 35mm eine gute Wahl.

Sonnenblenden

Zum Sinn und Unsinn einer Sonnenblende (und ob man sich damit als Lappen markiert) gibt es endlose Diskussionen. Ich nutze häufig Sonnenblenden, vor allem wenn ich draußen unterwegs bin. Das hat folgende Gründe.

Durch die kleinen Linsendurchmesser der meisten alten Leica-Objektive können die Sonnenblenden winzig ausfallen und trotzdem Streulicht effektiv abhalten. Selbstverständlich reduziert man damit die Kompaktheit ein wenig und so gibt es Fälle in denen ein Objektivdeckel die sinnvollere Wahl ist.

Hat man sich für eine Sonnenblende entschieden, steht man vor einer gewissen Auswahl:

Die ursprünglich zum Ekurz eingeführte Sonnenblende trug die Bezeichnung FLQOO und war zunächst aus schwarz lackiertem Messing. Sie ist recht selten und damit auch teuer (~400€, Stand 04/26), wäre aber für die, die es ganz authentisch wollen, die einzig passende zum Nickel Ekurz.
Wer hier etwas schmerzfreier ist, kann genauso gut die weitaus häufigere, eigentlich für das 5cm Elmar gedachte, aber nahezu identische FISON verwenden. Auch diese gibt es in schwarz für Leica-Enthusiasten für immer noch viel Geld (~100-300€, Stand 04/26). In verchromt ist man hier allerdings schon ab 40€ (Stand 04/26) dabei. Je nach Modell kann man die Objektivdeckel mehr oder weniger sicher darauf anbringen, was ich sehr praktisch finde. Mehr zum FISON auf der Seite des 5cm Elmar.

Wer es günstig und schwarz möchte, kommt mit Abstand am ökonomischsten mit der Universalsonnenblende FIKUS in eingefahrenem Zustand weg. Obwohl so nicht spezifiziert, stellt der Einsatz auf einem 3,5cm Elmar technisch kein Problem dar. Einen Deckel kann man mit FIKUS allerdings nicht benutzen und, wenn man eine Sonnenblende spezifisch für das Ekurz sucht, ist das nicht die beste Option. Aber gerade wenn man schon einen FIKUS hat, ist das sicher eine einfache und praktikable Lösung.

Ich selbst nutze aktuell eine seidig-matt verchromte, und wie ich finde, wirklich sehr schöne FOOKH Sonnenblende, die für das 3,5cm Elmar und das 3,5cm Summaron markiert ist. Hierfür gibt es sogar einen passenden und wirklich gut sitzenden Deckel. Der Hauptvorteil der FOOKH ist, dass sie von größerem Durchmesser ist als FISON und Kollegen und man so besser an die Blendenverstellung kommt. Außerdem finde ich sie schöner.
Je nach Zustand muss man hier mit 60-160€ rechnen (Stand 03/26).
Für die, die es authentisch wollen: ich halte diese Sonnenblende für die perfekte Wahl zu einem verchromten und bereits ab Werk vergüteten 3,5cm Elmar.
Interessanterweise gibt es den FOOKH auch in schwarz. Allerdings ist das für den kleinen Geldbeutel nun auch wieder nichts... Und die Klemmschraube ist dann trotzdem verchromt und nicht vernickelt...Es ist aber auch schwierig!


Im Folgenden ein paar weitere Aufnahmen, die mit dem Ekurz entstanden sind:


Palmenhaus in Kew Gardens, London mit dem Ekurz auf Delta 400 Professional gepusht auf EL800
Palmenhaus in Kew Gardens, London mit dem Ekurz auf Delta 400 Professional, gepusht auf EL800 in XT-3 1+1.
Palmenhaus in Kew Gardens, London mit dem Ekurz auf Delta 400 Professional gepusht auf EL800
Palmenhaus in Kew Gardens, London mit dem Ekurz auf Delta 400 Professional, gepusht auf EL800 in XT-3 1+1.
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